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Vorgehensweise im Verdachtsfall

Vertraut sich Dir ein Kind an oder hast Du selbst einen konkreten Verdacht, heißt es zunächst Ruhe bewahren! Überstürztes Handeln macht die Situation meist nur schlimmer.

 

Verdacht/mulmiges Gefühl 

Wenn ein unspezifischer Verdacht vorliegt oder ein Gefühl, dass eine Kindeswohlgefährdung vorgefallen sein könnte, können folgende Fragen helfen, den Verdacht greifbar werden zu lassen. Hilfreich ist hier eine Dokumentation, ähnlich dem Gesprächsprotokoll bei telefonischen Äußerungen. 

  1. In welchen Situationen entsteht mein Verdacht?  
  2. Wie lange habe ich dieses Gefühl schon? 
  3. Auf welchen Handlungen beruht mein Verdacht? 
  4. Wer ist wie beteiligt? 
  5. Gab es Verhaltensänderungen bei der betroffenen Person?

Gegebenenfalls erfolgt die Dokumentation über einen längeren Zeitraum. Wichtig ist hierbei eine Trennung der Beschreibung der Situationen und der eigenen Interpretation. Der Austausch mit einer 2. Person ermöglicht die Klärung, ob auch aus einer anderen Sicht der Verdacht wahrgenommen wird und ob die eigene Interpretation zutreffen könnte. 

Bei der Erhärtung des Verdachts oder bei Unterstützungsbedarf die Beratung der Sportjugend kontaktieren (siehe Kontakt).

 

Anvertrauen einer/eines Betroffenen

Gegenüber den betroffenen Kindern/Jugendlichen signalisieren, dass man die Informationen ernst nimmt und der Sache nachgeht. Dem Kind/Jugendlichen  Vertrauen entgegenbringen; sie/ihn ernst nehmen, zuhören und Anteilnahme zeigen.  

Für das Gespräch Zeit nehmen und Störungen vermeiden. Zum Gespräch, wenn möglich, parallel alle Fakten dokumentieren. Alle Informationen aufnehmen, die ohne Drängen und Ausfragen gegeben werden. Wichtige Punkte, die erfragt werden müssen: 

  1. Gibt es einen dringenden Handlungsbedarf? D.h. ein weiteres Kind ist unmittelbar gefährdet und ein zügiges Eingreifen ist von Nöten.
  2. Was will der/die Betroffene, dass getan wird?

Am Ende anbieten, dass die aufgenommene Sachlage mit der Beratungsstelle (siehe Kontakt) besprochen wird und anschließend wieder Kontakt aufgenommen wird.   

 

Beobachtung eines Übergriffes 

Der Schutz des Kindes/Jugendlichen steht an erster Stelle! Also Ruhe bewahren, überhastetes Eingreifen schadet nur. 

Sofern ein direktes Eingreifen in die Situation erforderlich ist, findet diese mit der Fokussierung auf die betroffene Person statt. Dies bedeutet eine Separierung von dem Täter/die Täterin, wo die betroffene Person nicht allein gelassen werden soll.  

Bei weniger schwerwiegenden Fällen kann in die Situation auch vorläufig eine zweite Person zur Seite gestellt werden (Trennung von Kind und Täter*in).   

Die Betroffenen sind entsprechend des eigenen Willens und ihrer Bedürfnisse zu schützen. Sie entscheiden, was sie in dieser Situation möchten. Deswegen sollen sie altersangemessen über alle Schritte informiert und eingebunden werden.  

Verdächtige Person nicht ohne Rücksprache mit einer Beratungsstelle mit Vorwürfen konfrontieren: Erfahrungen zeigen, dass sie sonst die Betroffenen unter Druck setzen, nichts mehr zu sagen. Ihre Einsichtsbereitschaft kann wenig ausgeprägt sein.  

Eine Information der Eltern erfolgt erst nach der Kontaktierung der Beratungsstelle und der Klärung der nächsten Schritte. 

 

Wichtig: Sei transparent mit den eigenen Möglichkeiten, Grenzen und Absichten. Wichtig ist für die Betroffenen da zu sein, ihr Anliegen ernst zu nehmen und ihnen Hilfe anzubieten und sie darin zu unterstützen diese in Anspruch zu nehmen. Die weitere Fallklärung erfolgt entsprechend der Beratung durch die Sportjugend (siehe Kontakt).